Die Marlitt veröffentlichte in ihrem Leben ausschließlich Prosa. Das uns bekannte lyrische Werk E. Marlitts beruht auf den erstmals im Jahre 1922 in Arnstadt unter dem Titel "Mein Herbarium" von Irma Vohland veröffentlichten Gedichten. Der erst 1994 veröffentlichte Band "Maienblütenhauch, E. Marlitt: Die Gedichte" ist inhaltlich mit dem Band "Mein Herbarium" identisch.


Hier ein Beispiel:

Beim Wiederfinden meiner Gedichte aus der Kinderzeit.

Ich fand ein altes Buch als Ruhestatt,
Drin haben meine Lieder lang gelegen;
Es quoll aus dem vergilbten, alten Blatt
Mir wahrer Maienblütenhauch entgegen.
Mein krankes Herz, vom steten Ringen matt,
Durchbebte da ein längstvergess'nes Regen.
Es taucht' empor mein einstig Hoffen, Träumen
Aus der Erinn'rung dunkelgrünen Räumen.

Die Geister wallten durch die Dämmerpracht
Von längst dahingeschied'nen Lebensplänen.
O junges Herz, in deiner Blütenpracht,
Du nahmst für echtes Gold dies falsche Wähnen!
Es wandelt stets des Schicksals finstre Macht
Heimtückisch jeden Wunsch zu bittern Tränen.
Die Jugendträume, lieblich und erhaben, -
Ich hab' sie alle still und leis begraben.

So ist, was kühn das Herz gewollt, zerschellt,
Der Hoffnung Grün umhüllt mit Trauerflören;
Es glimmen unter jener Trümmerwelt
Nur Wünsche noch, die nicht der Welt gehören,
Nicht jener Macht, die grausam sich gefällt
Im ewigen Vernichten und Zerstören.
Ruh' aus, empörtes Herz, in dem Gedanken,
Dass sich der Hoffnung Zweig' ins Jenseits ranken.
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